JAKOB VON GUNTEN

Ein Musiktheater nach dem Roman von Robert Walser


Die Alte Reithalle in Aarau verwandelt sich in einen verwunschenen Ort zwischen Zauber und Grauen: Der aus wohlhabender Familie stammende Jakob von Gunten tritt, um der Eitelkeit und Geschäftemacherei in der Welt zu entkommen, ins Institut Benjamenta ein: eine Art Dienerschule, in der die Zöglinge in Gehorsam und Benehmen unterrichtet werden. Nach anfänglicher Auflehnung werden Unterwerfung und Verzicht für ihn zum Mittel der Selbstbehauptung und Bewahrung seiner Würde. In sprunghaften Tagebuchaufzeichnungen berichtet er nicht nur über seine Mitschüler, den Institutsvorsteher und dessen Schwester, sondern schreibt auch seine Phantasien und Träume auf.
Das Musiktheater „Jakob von Gunten“ nach dem gleichnamigen Roman von Robert Walser lässt in der altertümlichen Atmosphäre der Alten Reithalle die surrealen, unheimlichen und poetischen Schilderungen Jakobs von Menschen und Situationen lebendig werden. Neben traditionellen Musikinstrumenten wie Violine, Cello, Flöte, Klarinette erklingen Alltagsgegenstände, ein präpariertes Klavier, Lochkartenspieluhren und Glasharfen.

VORSTELLUNGEN:
Sa 23. August, 20.15 Uhr Premiere
So 24. August, 17.00 Uhr
Mi 27. August, 20.15 Uhr
Fr 29. August, 20.15 Uhr
Sa 30. August, 20.15 Uhr
So 31. August, 17.00 Uhr
Mi 3. September, 20.15 Uhr
Fr 5. September, 20.15 Uhr

SPIELORT:
ALTE REITHALLE AARAU, APFELHAUSENWEG 20, 5000 AARAU
MAP: KLICK-MICH

RESERVATION VORVERKAUF:
aarau info, 062 834 10 34 oder www.tuchlaube.ch

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ZUR ARBEITSWEISE:

Die Vorgaben für "Jakob Von Gunten" beruhen auf einem kompositorischen Konzept, welches in einer einzigen Partitur alle inszenatorischen Mittel vereint. Die verwendeten Elemente sind Musikstücke (zu einem grossen Teil von Astride Schlaefli für dieses Stück komponiert), Textpassagen, Einzelaktionen sowie Sound- und Lichtdesign. Integraler Teil der Partitur ist die Einbindung choreografierter, szenischer Aktionen in Abhängigkeit der kompletten Dramaturgie. Diese Bewegungen der Teilnehmer sowie der Zuschauer werden genauso akribisch gesetzt wie die musikalischen Teile.

Die Texte werden aufgenommen, vorproduziert und in der Inszenierung über etwa 50, im ganzen Gebäude verteilten, Lautsprecher und Megaphone wiedergegeben. Die Dramaturgie des Stücks gibt sich demokratisch: Musik, Wort, Geräusche werden absolut gleichwertig behandelt, es gibt keine hierarchischen Bezug unter ihnen. In erster Linie beziehen wir uns auf den zwischen den Zeilen erkennbaren, wunderbar poetischen und surrealen Aspekt des Werkes. Die zeitlich-lineare Abfolge des Textes im dramaturgischen Sinn ist nicht dringend.

Die Livemusik setzt sich aus Stücken für kleine Instrumental- und Chorgruppen sowie Tutti-Kompositionen zusammen. Die im Raum oder im Gebäude verteilten Gruppen werden mittels eines Funksystems koordiniert und synchronisiert. So verschmelzen die einzelnen akustischen Ereignisse zu einem einzigen grossen Klangkörper.

Die Szenografie wird hauptsächlich von einer Reduktion auf das Notwendigste bestimmt. Jeder Gegenstand soll Teil der Inszenierung sein. Alles ist auch Objekt. Ein Cello kann Dekoration aber auch Instrument sein...So werden zum Beispiel auch die Stühle für die Zuschauer in die Inszenierung integriert. Ein Scheinwerfer beleuchtet nicht nur, sondern ist als Objekt vorhanden und kann demzufolge manipuliert und transportiert werden.


JAKOB VON GUNTEN, das Musiktheater als Vermittlungsprojekt

Gelegentlich werden Produktionen aus Musik, Literatur, Theater, Tanz sowie Ausstellungen, die speziell für Kinder und Jugendliche gedacht sind, der Kulturvermittlung zugeordnet.
Bei Jakob Von Gunten präsentieren jedoch Jugendliche eine professionellen Produktion für Erwachsene. Diese Umkehrung einer "normalen" Erwartung kann nur gelingen, wenn die Jugendlichen zu weiten Teilen als gleichwertige Partner respektiert werden.

Wir schaffen mit relativ grossem Aufwand den Rahmen, in dem die teilnehmenden Jugendlichen lernen, sich auf spielerische Weise partizipativ auszudrücken und mit nicht Bekanntem Freundschaft zu schliessen. Sie lernen musikalische oder darstellerische Details zu erforschen und künstlerische Prozesse als etwas Nützliches, Produktives und vor allem aber auch Lustvolles zu begreifen. Durch den geschickten Einsatz von Dramaturgie, Aktionen und technischen Hilfsmitteln werden die Akteure erleben, wie sie fast unmerkbar von einem Laienmusiker zu einem Performer werden, der sich in keiner Hinsicht von einem professionellen Künstler unterscheidet.

Die beteiligten jugendlichen Musiker werden dazu geführt, sich als Teile eines grossen, interaktiven Puzzles zu verstehen. Alles, was Sie in den Vorbereitungen selbst oder in der Gruppe erlernen, werden sie zu einem späteren Zeitpunkt anwenden und teilweise selbst gestalten.
Dieser Prozess stellt den Kern der praktischen Anwendung dar: die Wandlung der Teilnehmer vom Musiker zum Performer, oder die Gestaltung des projektorientierten "Ichs" mittels darstellerischen Mitteln. Diese Transformation bedarf einer speziellen Führung, deren Technik die Projektleiter Astride Schlaefli und Christian Kuntner mithilfe anderer Projekte erarbeitet und verfeinert haben.

Plötzlich fügen sich die einzelnen Puzzleteile zusammen und den Akteuren wird der Sinn des Erworbenen klar. Unsere Hauptaufgabe dann wird es sein, mit minimalen Eingriffen schon vorhandene Fähigkeiten der Jugendlichen zu verstärken oder in einen völlig neuen Kontext stellen.

Zentral in der Mehrschichtigkeit des Projekts ist die hierachielose Verwendung von Musik, Gesang, Text, Bewegung, Aktion und multimedialen Werkzeugen. Die Jugendlichen werden (subtil von Profis unterstützt) aktiv, ihren Platz in dieser Konstruktion finden. Die Intensität dieses Prozesses wird den Jugendliche eine neue sinnlich-kreative Erfahrung vermitteln, die sie in dieser Gesamtheit wohl noch selten erlebt haben.